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Auf die richtige Hitze kommt es an
Rehm Thermal Systems produziert Maschinen zur Herstellung elektronischer Leiterplatten
Datum: 14.08.09 11:31:50

Ohne Elektronik geht nichts mehr. Im Auto, im Telefon, im Küchenherd, im Computer sowieso - überall stecken Leiterplatten drin. Maschinen zu deren Herstellung kommen von Rehm Thermal Systems.

THOMAS STEIBADLER  


Geschäftsführer Johannes Rehm
zeigt eine der komplexen Löt-
Maschinen zur Bestückung
elektronischer Leiterplatten. Foto:
Matthias Kessler

Seißen  Sie heißen Widerstand, Kondensator, Transistor, Diode und integrierte Schaltung und sorgen zusammen mit anderen elektronischen Bauteilen dafür, dass die moderne Welt funktioniert: von der Ampel bis zum Zigarettenautomaten. Leiterplatten, auch Platinen genannt, bestückt mit elektronischen Bauteilen, finden sich in fast allen Geräten. Die winzigen Bauteile auf Kunststoffplatten zu befestigen, ist nichts für menschliche Hände und Augen. Das besorgen Maschinen, die zum Beispiel den Namen "Vision XS nitro 4550" tragen.

Bei der handelt es sich um ein knapp 7,50 Meter langes Prunkstück von Rehm Thermal Systems im Blaubeurer Teilort Seißen. Das im Jahr 1990 gegründete Unternehmen, seit 1994 auf der Blaubeurer Alb heimisch, hat sich auf Maschinen zur Herstellung von SMD-Leiterplatten spezialisiert. SMD steht für "surface mounted device" und bedeutet, dass die Bauteile auf die Oberfläche der Platte montiert werden. Genauer gesagt: gelötet.


Dank dieses Verfahrens können immer kleinere Bauteile auf immer weniger Platz untergebracht werden. Voraussetzung ist ein ausgefuchstes Lötverfahren, das in den Maschinen abläuft. Dabei kommt es auf die Temperatur und auf die Atmosphäre an. Nicht zu heiß, damit die Bauteile nicht beschädigt werden - Sauerstoff raus, Stickstoff rein, damit die Lötstellen möglichst nicht oxidieren.

Dieses Massenlötverfahren wird nach den Worten von Geschäftsführer Johannes Rehm überall in der industriellen Elektronik angewandt. Mit Niederlassungen in den USA, der Tschechischen Republik, Ungarn und Schweden sowie mit Vertriebspartnern versucht sein Unternehmen mit 125 Beschäftigten am Standort Seißen auf dem Weltmarkt präsent zu sein. Vor zwölf Jahren hat Rehm auch in China eine Niederlassung eröffnet, wegen der langen Transportwege und der Einfuhrzölle habe sich der Export in den Fernen Osten aber bald nicht mehr gelohnt, sagt Produktionsleiter Joachim Erhard. "Denn wir müssen marktgerecht produzieren und liefern." Also wurde 2003 in der chinesischen Industriestadt Dogguan ein Werk eingerichtet, zunächst als Gemeinschaftsunternehmen und seit zwei Jahren als 100-prozentige Rehm-Tochter. Etwa 35 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.
 
Für komplizierte Geräte wie Herzschrittmacher zum Beispiel werden besonders kleine Leiterplatten mit besonders leistungsfähigen Bauteilen benötigt. Zur Herstellung dieser anspruchsvollen Platinen baut Rehm so genannte Kondensations-Lötanlagen. Darin werden die Bauteile unter Dampf gelötet. Ein Prozess mit äußerst wirkungsvoller Wärmeübertragung, so dass trotz höherer Geschwindigkeit Lötfehler weitgehend vermieden werden könnten, sagt Erhard. Als Dampfmedium wird nicht Wasser verwendet, sondern meist das synthetisch hergestellte, ölähnliche Perfluorpolyether. Mit dieser Technik sei das Unternehmen in Seißen führend, stellt Produktionsleiter Erhard fest: "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal." Ein weiteres neues Rehm-Produkt, bei dem es ebenfalls um ein Hitze-Herstellungsverfahren geht, sind Solarzellen-Trockner. In den Maschinen werden Aluminiumpaste und Silizium bei Temperaturen von bis zu 1000 Grad zu Photovoltaik-Zellen "gebacken".
 
Weil die Geräte von Rehm Thermal Systems viel komplizierter sind als diese kurzen Beschreibungen, betont Joachim Erhard: "Wir verkaufen nicht nur Maschinen, sondern Prozesse." Also Herstellungsverfahren einschließlich Dokumentation des Produktionsprozesses. Aus diesem Grund spricht der Produktionsleiter von hoher Fertigungstiefe: Konstruktion, Software-Entwicklung und Maschinenbau werden im Betrieb erledigt. Einer der wichtigsten Zulieferer ist ebenfalls im gleichen Haus untergebracht: Rehm Blech-Tec. Das Schwesterunternehmen mit 50 Beschäftigten stellt Maschinengehäuse her.
 
Qualifizierte Ingenieure und Software-Entwickler zu finden, sei nicht ganz einfach, berichtet Geschäftsführer Rehm. Doch solche Spezialisten fänden in Seißen ausgesprochen attraktive Arbeitsplätze vor: "Das Modernste, was es gibt." Auf die betriebliche Ausbildung werde ebenfalls großer Wert gelegt, im kaufmännischen und im gewerblichen Sektor. In der gesamten Produktion seien lediglich noch zwei angelernte Mitarbeiter beschäftigt: "Alle anderen sind Facharbeiter."
 
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